Aktiv oder passiv? Warum die Frage falsch gestellt ist
Unser Zuversichtsberater Tim Fialkowski war beim Fondsmanagement-Termin der DWS in Frankfurt — und nimmt einen klaren Eindruck mit: Es geht nicht um aktiv vs. passiv, sondern um den durchdachten Einsatz beider Welten.

Die Diskussion „aktiv vs. passiv" wird in der Finanzwelt oft so geführt, als müsse man sich entscheiden — entweder günstige ETFs oder vermeintlich teure aktive Fonds. In der Realität ist die Antwort deutlich differenzierter. Genau das hat sich auch beim jüngsten Fondsmanagement-Termin der DWS Group in Frankfurt gezeigt: Beide Welten haben ihre Berechtigung, und der Erfolg liegt selten im Produkt, sondern fast immer im durchdachten Einsatz dahinter.
Unser Zuversichtsberater Tim Fialkowski war gemeinsam mit Kollegen aus dem Branch-Team von Fabian Teufel (Ulm) bei der DWS in Frankfurt zu Gast. Im Mittelpunkt: der aktuelle Fondsmanagement-Ausblick — von etablierten Strategien wie DWS Concept Kaldemorgen, DWS Akkumula und DWS Top Dividende bis hin zu den ETF-Ansätzen von Xtrackers. Was Tim aus solchen Terminen mitnimmt, ist weniger eine Produktempfehlung als eine Erinnerung daran, wie wichtig die richtige Frage ist.
Warum „aktiv vs. passiv" zu kurz greift
Kurz gesagt: Aktive Fonds und ETFs sind keine Gegner, sondern Werkzeuge mit unterschiedlichen Stärken. Wer sie gegeneinander ausspielt, verliert die eigentliche Frage aus dem Blick: Was passt zu meiner Situation?
ETFs haben sich zu Recht zum Standardprodukt für viele Privatanleger entwickelt. Sie bilden einen Index transparent ab, sind kosteneffizient — typische Gesamtkostenquoten liegen zwischen 0,05 % und 0,30 % pro Jahr — und erlauben mit einer einzigen Position breite Streuung. Laut BVI-Statistik fließen seit Jahren Milliardenbeträge in deutsche und europäische ETFs.¹
Gleichzeitig zeigt der jährliche SPIVA-Report von S&P, dass über lange Zeiträume die Mehrheit aktiver Fonds ihre Vergleichsindizes nach Kosten nicht schlägt — in einigen Marktsegmenten über 10 Jahre rund 80 bis 90 Prozent.³ Das ist ein starkes Argument für ETFs als Basis. Es ist aber kein Argument dafür, aktive Fonds pauschal abzuschreiben.
Wann aktives Fondsmanagement seine Stärken ausspielt
Kurz gesagt: Aktives Management lebt von Flexibilität, Selektion und der Möglichkeit, in turbulenten Phasen bewusst gegenzusteuern. Genau das kann ein Index nicht.
Drei Situationen, in denen sich aktives Management besonders bemerkbar macht:
- Volatile Marktphasen. In Umfeldern, die von geopolitischen Spannungen, Zinswenden oder Inflationsschocks geprägt sind, kann ein flexibel agierender Multi-Asset-Fonds Risiken bewusster steuern als ein starres Indexkonstrukt. Der DWS Concept Kaldemorgen ist ein bekanntes Beispiel für diesen Ansatz: Das Fondsmanagement kann zwischen Aktien, Anleihen, Gold und Cash umschichten — abhängig vom Marktbild.⁴
- Ineffiziente Märkte. In Schwellenländern, bei kleinen Unternehmen (Mikro-Caps) oder in spezialisierten Anleihesegmenten finden Indexlösungen oft nicht die optimale Mischung. Ein Manager mit lokalem Research-Zugang kann hier echten Mehrwert liefern.
- Qualitäts- und Themenstrategien. Fonds, die gezielt auf langfristige Trends, Dividendentitel oder Qualitätsunternehmen setzen, gehen über das hinaus, was ein breiter Index abbildet. Das ist kein Versprechen auf Outperformance — aber ein bewusster Schwerpunkt.
Wichtig: Diese Stärken kommen nur dann zum Tragen, wenn der Fonds konsequent seinem Ansatz folgt und die Kosten in einem vernünftigen Verhältnis zum Mehrwert stehen. Beides muss man im Einzelfall prüfen.
Der eigentliche Knackpunkt: Überforderung
Kurz gesagt: Die meisten Anlegerinnen und Anleger scheitern nicht am Produkt, sondern an der Auswahl. Bei tausenden Fonds und ETFs entscheiden viele aus Bauchgefühl — und das selten zu ihrem Vorteil.
In der Praxis sieht das oft so aus: Jemand will „endlich mal mit ETFs anfangen", öffnet sein Depot, sieht dort 1.500+ verfügbare Produkte — und kauft dann den ETF, den er irgendwo in einem Vergleichsportal als „Sieger" gesehen hat. Oder es wird ein aktiver Fonds gewählt, weil der Name vertraut klingt. Strategie? Fehlanzeige.
Die BaFin weist in ihren Verbraucherinformationen ausdrücklich darauf hin, dass die Auswahl eines Fonds immer im Kontext der eigenen Anlageziele und Risikoneigung erfolgen sollte — nicht anhand kurzfristiger Performance-Ranglisten.² Genau das fällt vielen schwer.
Wie ein durchdachter Einsatz aussehen kann
Kurz gesagt: In der Beratung hat sich ein einfaches Modell bewährt — eine breite ETF-Basis als Kern, ergänzt um gezielte aktive Bausteine als Satelliten.
| Baustein | Rolle | Typische Beispiele |
|---|---|---|
| Kern (60–80 %) | Breite Marktabdeckung, niedrige Kosten | ETFs auf MSCI World, FTSE All-World, MSCI ACWI |
| Satelliten (20–40 %) | Spezielle Themen, Stilfaktoren, aktive Steuerung | Schwellenländer-Anleihen, Qualitätsaktien, Multi-Asset-Fonds |
| Liquidität (variabel) | Reserve, Glättung von Schwankungen | Tagesgeld, kurze Anleihen, Geldmarktfonds |
Diese Aufteilung ist kein Dogma, sondern ein Rahmen. Bei einem 25-Jährigen mit 30 Jahren Anlagehorizont sieht das anders aus als bei einer 55-Jährigen, die in zehn Jahren in den Ruhestand geht. Wichtig ist, dass jeder Baustein eine klare Rolle erfüllt — und dass alle zusammen zur Lebenssituation passen.
Was Tim aus Frankfurt mitnimmt
„Der Austausch mit der DWS Group hat einmal mehr gezeigt: Es geht nicht um ein Entweder-oder, sondern um ein sinnvolles Zusammenspiel. Nicht das Produkt entscheidet über den Erfolg, sondern der durchdachte Einsatz dahinter." — Tim Fialkowski, Zuversichtsberater
Genau dieser Gedanke ist der Kern unserer Arbeit. Bevor wir über konkrete Fonds oder ETFs sprechen, klären wir mit unseren Kundinnen und Kunden zuerst die wirklich wichtigen Fragen: Wofür wird gespart? Wie lange? Wie viel Schwankung hältst du aus, ohne nachts wachzuliegen? Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, lohnt sich die Diskussion über Produkte. Wer eine grobe Standortbestimmung machen möchte, kann unseren kostenlosen Bedarfscheck als Einstieg nutzen.
Zwischenfazit: Die wichtigsten Take-aways
- Die Schwarz-Weiß-Debatte zwischen aktiv und passiv führt in die Irre — beide Welten haben ihre Berechtigung.
- ETFs sind eine starke Basis: günstig, transparent, breit gestreut.
- Aktives Management kann in volatilen Phasen, ineffizienten Märkten und bei Spezialthemen Mehrwert liefern — wenn es bewusst eingesetzt wird.
- Der häufigste Fehler ist nicht das falsche Produkt, sondern fehlende Strategie und Überforderung bei der Auswahl.
- Ein Kern-Satelliten-Modell mit klarer Rollenverteilung schafft Struktur, ohne Komplexität explodieren zu lassen.
Fazit: Vom Produkt zur Strategie
Die Frage „aktiv oder passiv" ist nicht falsch — sie ist nur zu früh gestellt. Bevor du dich für ein Produkt entscheidest, solltest du wissen, welche Aufgabe es in deinem Portfolio übernehmen soll. Erst dann lässt sich seriös beurteilen, ob ein günstiger ETF reicht, ob aktives Management Sinn ergibt, oder ob eine Kombination beider Ansätze die bessere Lösung ist. Wenn du das Thema gerade für dich klären möchtest, schauen wir uns gerne gemeinsam deine Situation an — ohne Verkaufsdruck. Vereinbare ein kostenloses Erstgespräch oder stöbere weiter im Blog.
Häufige Fragen
Sind ETFs immer besser als aktive Fonds?
Nein. ETFs sind in der Regel günstiger und bilden einen Index transparent ab — das ist für viele Anleger eine sehr solide Basis. Aktive Fonds können in bestimmten Situationen Mehrwert bringen, etwa bei Spezialthemen, in ineffizienten Märkten oder wenn ein Manager das Portfolio in turbulenten Phasen aktiv nachsteuern soll. Welche Lösung im Einzelfall besser ist, hängt von Anlageziel, Zeithorizont und Risikoneigung ab.
Was kostet ein aktiver Fonds gegenüber einem ETF?
ETFs auf Standardindizes liegen in der Gesamtkostenquote (TER) meist zwischen 0,05 % und 0,30 % pro Jahr. Aktive Fonds bewegen sich typischerweise zwischen 1,2 % und 1,8 % TER. Über lange Anlagezeiträume schlägt sich diese Differenz spürbar in der Endsumme nieder — der Mehrwert eines aktiven Managers muss diese Kostenlücke also erst einmal verdienen.
Wann lohnt sich aktives Fondsmanagement?
Vor allem dann, wenn du in Märkte oder Themen investierst, in denen ein Index die Realität nicht gut abbildet — zum Beispiel Schwellenländer-Anleihen, Mikro-Caps oder spezifische Nachhaltigkeitsstrategien. Auch flexibel agierende Multi-Asset-Fonds, die je nach Marktlage zwischen Aktien, Anleihen und Cash umschichten, sind ein klassischer Einsatzbereich für aktives Management.
Kann ich aktive Fonds und ETFs kombinieren?
Ja, und in der Praxis ist das oft sinnvoll. Eine breit gestreute ETF-Basis (etwa auf MSCI World oder FTSE All-World) bildet den Kern des Portfolios. Darum herum lassen sich gezielt aktive Fonds als Satelliten ergänzen — zum Beispiel für Themen, die im Index unterrepräsentiert sind. Wichtig ist, dass jeder Baustein eine klare Rolle erfüllt.
Wie finde ich heraus, welche Anlagestrategie zu mir passt?
Starte mit den Grundlagen: Wofür sparst du, wie lange willst du investiert bleiben, und wie reagierst du auf Kursschwankungen? Daraus ergibt sich die passende Aufteilung zwischen Aktien und Anleihen. Erst danach kommt die Frage nach den konkreten Produkten. Eine unabhängige Beratung hilft dabei, Bauchgefühl von Fakten zu trennen.
Häufige Fragen
Sind ETFs immer besser als aktive Fonds?+
Nein. ETFs sind in der Regel günstiger und bilden einen Index transparent ab — das ist für viele Anleger eine sehr solide Basis. Aktive Fonds können in bestimmten Situationen Mehrwert bringen, etwa bei Spezialthemen, in ineffizienten Märkten oder wenn ein Manager das Portfolio in turbulenten Phasen aktiv nachsteuern soll. Welche Lösung im Einzelfall besser ist, hängt von Anlageziel, Zeithorizont und Risikoneigung ab.
Was kostet ein aktiver Fonds gegenüber einem ETF?+
ETFs auf Standardindizes liegen in der Gesamtkostenquote (TER) meist zwischen 0,05 % und 0,30 % pro Jahr. Aktive Fonds bewegen sich typischerweise zwischen 1,2 % und 1,8 % TER. Über lange Anlagezeiträume schlägt sich diese Differenz spürbar in der Endsumme nieder — der Mehrwert eines aktiven Managers muss diese Kostenlücke also erst einmal verdienen.
Wann lohnt sich aktives Fondsmanagement?+
Vor allem dann, wenn du in Märkte oder Themen investierst, in denen ein Index die Realität nicht gut abbildet — zum Beispiel Schwellenländer-Anleihen, Mikro-Caps oder spezifische Nachhaltigkeitsstrategien. Auch flexibel agierende Multi-Asset-Fonds, die je nach Marktlage zwischen Aktien, Anleihen und Cash umschichten, sind ein klassischer Einsatzbereich für aktives Management.
Kann ich aktive Fonds und ETFs kombinieren?+
Ja, und in der Praxis ist das oft sinnvoll. Eine breit gestreute ETF-Basis (etwa auf MSCI World oder FTSE All-World) bildet den Kern des Portfolios. Darum herum lassen sich gezielt aktive Fonds als Satelliten ergänzen — zum Beispiel für Themen, die im Index unterrepräsentiert sind. Wichtig ist, dass jeder Baustein eine klare Rolle erfüllt.
Wie finde ich heraus, welche Anlagestrategie zu mir passt?+
Starte mit den Grundlagen: Wofür sparst du, wie lange willst du investiert bleiben, und wie reagierst du auf Kursschwankungen? Daraus ergibt sich die passende Aufteilung zwischen Aktien und Anleihen. Erst danach kommt die Frage nach den konkreten Produkten. Eine unabhängige Beratung hilft dabei, Bauchgefühl von Fakten zu trennen.
Quellen
- BVI Bundesverband Investment und Asset Management (2025): Investmentstatistik — Mittelaufkommen offene Publikumsfonds und ETFs · abgerufen am 2026-05-03
- Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) (2024): Investmentfonds — Verbraucherinformationen der BaFin · abgerufen am 2026-05-03
- S&P Dow Jones Indices (2025): SPIVA Europe Year-End 2024 Scorecard · abgerufen am 2026-05-03
- DWS Group (2025): DWS Concept Kaldemorgen — Fondsporträt · abgerufen am 2026-05-03
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