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Altersvorsorge24. April 2026·6 Min. Lesezeit

Altersvorsorgedepot ab 2027: So funktioniert der Riester-Nachfolger

Das Altersvorsorgedepot startet 2027 als Riester-Nachfolger – hier erfährst du alles zu Förderung, Kosten und Übergangsregeln.

Das Altersvorsorgedepot ist ein ab 2027 geplantes staatlich gefördertes Sparprodukt, das die bisherige Riester-Rente ablöst und erstmals auch Selbstständigen eine geförderte private Altersvorsorge ermöglicht. Es basiert auf dem Gesetz zur Reform der steuerlich geförderten privaten Altersvorsorge (pAV-Reform) des Bundesfinanzministeriums¹, das der Deutsche Bundestag am 27. März 2026 beschlossen hat². Der Bundesrat muss dem Gesetz noch zustimmen, damit Anbieter ab dem 1. Januar 2027 entsprechende Depots auf den Markt bringen können. Für alle, die privat fürs Alter vorsorgen wollen, ändern sich damit die Spielregeln grundlegend — von der Förderstruktur über die Kostenregeln bis hin zu den Anlageoptionen.

Was ist das Altersvorsorgedepot und wer darf es nutzen?

Kurz gesagt: Das Altersvorsorgedepot ist ein individuelles Wertpapierdepot mit staatlicher Förderung, das ab 2027 allen unbeschränkt Steuerpflichtigen in Deutschland offensteht — also Arbeitnehmerinnen, Beamten, Selbstständigen und Freiberuflerinnen gleichermaßen.

Der zentrale Unterschied zur bisherigen Riester-Rente: Es wird keine Pflicht zur lebenslangen Verrentung geben, und die Kapitalanlage darf breit in ETFs, Fonds und andere Wertpapiere erfolgen. Das war bisher im Riester-System durch die Beitragsgarantie stark eingeschränkt, weil Anbieter zur Absicherung dieser Garantie vorwiegend in Anleihen investieren mussten.

Der erweiterte Förderkreis ist besonders relevant: Rund 3,9 Millionen Selbstständige in Deutschland³ hatten bisher keinen Zugang zur Riester-Förderung. Das Altersvorsorgedepot schließt diese Lücke. Wer als Selbstständige oder Selbstständiger bislang rein privat und ungefördert vorgesorgt hat, sollte die neuen Möglichkeiten prüfen — etwa mithilfe unseres kostenlosen Bedarf-Checks.

Wie hoch ist die staatliche Förderung beim Altersvorsorgedepot?

Kurz gesagt: Die Förderung ist zweistufig aufgebaut — 50 % Zulage auf die ersten 360 Euro Eigenbeitrag pro Jahr und 25 % Zulage auf weitere Einzahlungen bis insgesamt 1.800 Euro jährlich.

Konkret bedeutet das:

Eigenbeitrag pro JahrZulagensatzZulage
Erste 360 €50 %180 €
361 € bis 1.800 €25 %bis zu 360 €
Gesamt bei 1.800 €bis zu 540 €

Bei einem jährlichen Eigenbeitrag von 1.800 Euro erhältst du also bis zu 540 Euro staatliche Zulage — das entspricht einer effektiven Förderquote von 30 % auf den Gesamtbeitrag¹. Die bisherige Riester-Grundzulage lag bei nur 175 Euro pro Jahr⁴.

Zusätzlich soll es eine Kinderzulage geben, deren genaue Höhe im parlamentarischen Verfahren festgelegt wird. Die bisherige Riester-Kinderzulage betrug 300 Euro pro Kind (geboren ab 2008)⁴.

Wichtig: Die Förderung erfolgt weiterhin über das Zulagensystem — du beantragst die Zulage über deinen Anbieter, und sie wird direkt in dein Altersvorsorgedepot eingezahlt. Alternativ bleibt der Sonderausgabenabzug möglich, falls dieser steuerlich günstiger ist.

Was bedeutet der 1-%-Kostendeckel in der Praxis?

Kurz gesagt: Die jährlichen Gesamtkosten eines zertifizierten Altersvorsorgedepots dürfen 1 % des angelegten Kapitals nicht überschreiten — ein deutlicher Fortschritt gegenüber vielen bestehenden Riester-Produkten.

Hohe Kosten waren einer der Hauptkritikpunkte an der Riester-Rente. Laut einer Untersuchung des Bundesfinanzministeriums lagen die effektiven Kosten klassischer Riester-Verträge oft bei 1,5 % bis 2,5 % pro Jahr¹. Bei einer Ansparphase von 30 Jahren kann bereits ein Unterschied von 1 Prozentpunkt bei den Kosten das Endkapital um rund 20 % reduzieren.

Beispielrechnung:

  • Monatliche Einzahlung: 150 € (1.800 € pro Jahr inkl. Zulage)
  • Anlagedauer: 30 Jahre
  • Angenommene Bruttorendite: 6 % p. a.
  • Bei 1,0 % Kosten (Altersvorsorgedepot): ca. 137.000 € Endkapital
  • Bei 2,0 % Kosten (typischer Alt-Riester): ca. 113.000 € Endkapital

Der Kostendeckel von 1 % umfasst alle Produkt- und Depotkosten. ETFs mit Gesamtkostenquoten (TER) von 0,1 % bis 0,3 % lassen dabei genug Spielraum für Depot- und Verwaltungsgebühren. Der Deckel wird im Zertifizierungsverfahren durch die BaFin überprüft⁵.

Was passiert mit bestehenden Riester-Verträgen?

Kurz gesagt: Bestehende Riester-Verträge bleiben erhalten — du kannst sie weiterführen, beitragsfrei stellen oder das Kapital in ein neues Altersvorsorgedepot überführen.

Der Gesetzgeber hat drei Optionen vorgesehen:

  1. Weiterführung: Dein bestehender Riester-Vertrag läuft mit den bisherigen Konditionen und der bisherigen Förderung weiter. Die Beitragsgarantie bleibt bestehen.
  2. Beitragsfreistellung: Du zahlst nicht mehr ein, das angesparte Kapital bleibt investiert und wird im Alter ausgezahlt.
  3. Übertragung: Du transferierst das Guthaben in ein zertifiziertes Altersvorsorgedepot. Dabei entfällt die Beitragsgarantie — dafür profitierst du von der neuen Förderstruktur und geringeren Kosten.

Besonders bei Verträgen mit hohen laufenden Kosten und geringem Guthaben kann eine Übertragung sinnvoll sein. Bei Verträgen kurz vor der Auszahlungsphase ist Vorsicht geboten, weil der Wegfall der Beitragsgarantie bei kurzer Restlaufzeit ein Kursrisiko bedeutet. In unserem Blog zu Altersvorsorge-Themen findest du weitere Entscheidungshilfen.

Hinweis: Die Entscheidung, ob eine Übertragung im Einzelfall vorteilhaft ist, hängt von vielen individuellen Faktoren ab — Restlaufzeit, Kostenstruktur, persönliche Risikotoleranz. Eine individuelle Beratung ist hier empfehlenswert.

Warum wurde die Beitragsgarantie abgeschafft — und was heißt das für dich?

Kurz gesagt: Beim neuen Altersvorsorgedepot gibt es keine gesetzliche Garantie mehr, dass du mindestens deine eingezahlten Beiträge zurückbekommst — dafür sind deutlich höhere Renditechancen möglich.

Die Beitragsgarantie der Riester-Rente (100 % der Einzahlungen mussten zum Rentenbeginn verfügbar sein) zwang Anbieter in konservative, renditeschwache Anlagen. In der Niedrigzinsphase führte das dazu, dass viele Verträge nach Kosten kaum noch Rendite erwirtschafteten. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung hatte bereits 2020 empfohlen, die Garantiepflicht zu lockern, um Sparern Zugang zu renditestärkeren Anlageklassen zu ermöglichen⁵.

Das neue System setzt stattdessen auf:

  • Transparenz: Klare Risikoklassifizierung bei der Produktauswahl
  • Kosteneffizienz: Der 1-%-Deckel sorgt dafür, dass Erträge beim Sparer bleiben
  • Langfristigkeit: Bei Anlagehorizonten von 20+ Jahren hat ein breit gestreutes Aktienportfolio historisch betrachtet stets positive Realrenditen erzielt — eine Garantie für die Zukunft ist das aber nicht

Wer ein besonders sicherheitsorientiertes Produkt wünscht, kann auch im neuen System defensivere Strategien mit höherem Anleiheanteil wählen. Die Entscheidung liegt bei dir.

Zwischenfazit: Die wichtigsten Take-aways

  • Ab 2027 löst das Altersvorsorgedepot die Riester-Rente als neues Standardprodukt der geförderten privaten Altersvorsorge ab.
  • Erstmals auch Selbstständige erhalten Zugang zur staatlichen Förderung — eine historische Ausweitung des Förderkreises.
  • Bis zu 540 Euro Zulage pro Jahr bei 1.800 Euro Eigenbeitrag (50 % auf erste 360 €, 25 % auf den Rest).
  • 1 % Kostendeckel schützt vor überteuerten Produkten und kann über 30 Jahre zehntausende Euro Mehrertrag bedeuten.
  • Bestehende Riester-Verträge können weitergeführt, beitragsfreigestellt oder übertragen werden — eine individuelle Prüfung lohnt sich.

Fazit

Das Altersvorsorgedepot ist ein überfälliger Neustart der geförderten privaten Altersvorsorge in Deutschland. Besonders Selbstständige und kostenbewusste Sparer profitieren vom erweiterten Förderkreis, den attraktiven Zulagen und dem gesetzlichen Kostendeckel. Wer bereits einen Riester-Vertrag besitzt, sollte jetzt — noch vor dem Start 2027 — die eigene Situation analysieren: Lohnt sich eine Übertragung oder ist die Weiterführung günstiger? Warte nicht bis zum Stichtag, sondern verschaffe dir jetzt Klarheit. Vereinbare einen kostenlosen Beratungstermin, um deine persönliche Altersvorsorgestrategie auf das neue System auszurichten.

Häufige Fragen

Ab wann kann ich ein Altersvorsorgedepot eröffnen?

Das Altersvorsorgedepot soll ab dem 1. Januar 2027 verfügbar sein. Die Zertifizierung der Produkte durch die BaFin beginnt voraussichtlich 2026. Anbieter können dann entsprechende Depots auf den Markt bringen.

Können Selbstständige das Altersvorsorgedepot nutzen?

Ja — das ist eine der wichtigsten Neuerungen. Alle unbeschränkt Steuerpflichtigen in Deutschland sind förderberechtigt, also auch Selbstständige und Freiberufler, die bisher vom Riester-System ausgeschlossen waren.

Was passiert mit meinem alten Riester-Vertrag?

Dein bestehender Riester-Vertrag bleibt gültig. Du kannst ihn weiterführen, beitragsfrei stellen oder das Guthaben in ein neues Altersvorsorgedepot übertragen. Bei einer Übertragung entfällt die Beitragsgarantie.

Ist das Altersvorsorgedepot sicher?

Es gibt keine gesetzliche Beitragsgarantie mehr. Dafür ermöglicht das System Investitionen in breit gestreute ETFs und Fonds mit höheren Renditechancen. Der 1-%-Kostendeckel schützt vor überhöhten Gebühren. Das Risiko hängt von der gewählten Anlagestrategie und dem Anlagehorizont ab.

Wie hoch ist die maximale Förderung?

Bei einem Eigenbeitrag von 1.800 Euro pro Jahr beträgt die staatliche Zulage bis zu 540 Euro. Das ergibt sich aus 50 % auf die ersten 360 Euro (180 Euro) und 25 % auf die weiteren 1.440 Euro (360 Euro).

Häufige Fragen

Ab wann kann ich ein Altersvorsorgedepot eröffnen?+

Das Altersvorsorgedepot soll ab dem 1. Januar 2027 verfügbar sein. Die Zertifizierung der Produkte durch die BaFin beginnt voraussichtlich 2026. Anbieter können dann entsprechende Depots auf den Markt bringen.

Können Selbstständige das Altersvorsorgedepot nutzen?+

Ja — alle unbeschränkt Steuerpflichtigen in Deutschland sind förderberechtigt. Das schließt erstmals auch Selbstständige und Freiberufler ein, die bisher keinen Zugang zur Riester-Förderung hatten.

Was passiert mit meinem alten Riester-Vertrag?+

Bestehende Riester-Verträge bleiben gültig. Du kannst sie weiterführen, beitragsfrei stellen oder das Guthaben in ein neues Altersvorsorgedepot übertragen. Bei einer Übertragung entfällt allerdings die bisherige Beitragsgarantie.

Ist das Altersvorsorgedepot sicher?+

Eine gesetzliche Beitragsgarantie wie bei Riester gibt es nicht mehr. Dafür ermöglicht das System renditestärkere Anlagen wie ETFs. Der 1-%-Kostendeckel schützt vor überhöhten Gebühren. Das individuelle Risiko hängt von der gewählten Anlagestrategie und dem Anlagehorizont ab.

Wie hoch ist die maximale Förderung beim Altersvorsorgedepot?+

Bei einem Eigenbeitrag von 1.800 Euro pro Jahr beträgt die staatliche Zulage bis zu 540 Euro. Sie setzt sich zusammen aus 50 % auf die ersten 360 Euro (180 Euro) und 25 % auf die weiteren 1.440 Euro (360 Euro).

Quellen

  1. Bundesministerium der Finanzen (2025-12): Entwurf eines Gesetzes zur Reform der steuerlich geförderten privaten Altersvorsorge (pAV-Reformgesetz) · abgerufen am 2026-04-24
  2. Deutscher Bundestag (2026-03): Bundestag beschließt das Altersvorsorgedepot · abgerufen am 2026-04-24
  3. Statistisches Bundesamt (Destatis) (2024): Selbstständige in Deutschland — Ergebnisse des Mikrozensus 2023 · abgerufen am 2026-04-24
  4. Deutsche Rentenversicherung Bund (2024): Riester-Rente: Zulagen und steuerliche Förderung · abgerufen am 2026-04-24
  5. Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) (2024): Altersvorsorge — Verbraucherinformationen der BaFin · abgerufen am 2026-04-24
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