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Altersvorsorge17. September 2026·8 Min. Lesezeit

Altersvorsorgedepot: So viel Extra-Rente ist wirklich drin

30 Prozent Zulage auf den Eigenbeitrag, für Familien über 60 Prozent: Was das Altersvorsorgedepot ab 2027 wirklich bringt.

Close-up of a business document text under a magnifying glass.

Foto: Pixabay via Pexels

Das Altersvorsorgedepot ist ab dem 1. Januar 2027 das stärkste staatlich geförderte Sparangebot für die private Altersvorsorge seit Langem: Auf 1.800 Euro Eigenbeitrag im Jahr gibt es 540 Euro Zulage — eine Förderquote von 30 Prozent, die nicht vom Kapitalmarkt abhängt. Familien kommen mit der Kinderzulage auf über 60 Prozent. Kein Wunder, dass gerade Musterrechnungen mit stattlichen Zahlen kursieren. Dieser Beitrag zeigt, worauf diese Zahlen beruhen, wie stark der Förderhebel wirklich ist — und wie du aus einer Altersvorsorgedepot-Musterrechnung deinen eigenen Plan machst.

Was das Altersvorsorgedepot sicher bringt

Kurz gesagt: Die Zulage ist der Teil, der feststeht. Sie fließt unabhängig davon, was die Börse macht — und sie ist deutlich großzügiger als bei Riester.

Ab 2027 gilt:¹

  • Grundzulage: 50 Prozent auf die ersten 360 Euro Eigenbeitrag im Jahr, 25 Prozent auf jeden weiteren Euro bis 1.800 Euro. Macht bis zu 540 Euro.
  • Kinderzulage: 100 Prozent der Beiträge, höchstens 300 Euro pro Kind und Jahr.
  • Berufseinsteiger-Bonus: einmalig 200 Euro für alle, die zu Beginn des Beitragsjahres das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben.
  • Mindesteigenbeitrag nur noch 120 Euro im Jahr. Die frühere einkommensabhängige Berechnung und die gefürchteten Zulagekürzungen entfallen ersatzlos — eine der größten praktischen Verbesserungen der Reform.
  • Kostendeckel: Beim Standarddepot dürfen die Effektivkosten höchstens 1,0 Prozent betragen.

Was das konkret bedeutet, zeigt ein Beispiel mit 150 Euro Eigenbeitrag im Monat — also exakt den voll geförderten 1.800 Euro im Jahr:

EigenbeitragZulagen pro Jahrim Depot pro MonatFörderquote
ohne Förderung1.800 €—150 €—
Single1.800 €540 €195 €30 %
Familie, 2 Kinder1.800 €1.140 €245 €63 %

Für eine Familie mit zwei Kindern wird also aus jedem eigenen Euro ein Euro sechzig im Depot. Diesen Effekt erzielt kein ungefördertes Depot — er entsteht nicht am Markt, sondern per Gesetz.

Wie aus 150 Euro im Monat ein sechsstelliger Betrag wird

Kurz gesagt: Zeit und Förderung arbeiten zusammen. Über 25 Jahre landet das Beispiel je nach Annahme im sechsstelligen Bereich — und ein spürbarer Teil davon stammt allein aus den Zulagen.

Gerechnet für eine 42-jährige Person bis zum Rentenbeginn mit 67, also 25 Jahre Ansparzeit. Die Renditewerte sind Annahmen, keine Zusagen — Wertentwicklung lässt sich nicht vorhersagen:

Rendite nach Kosten (Annahme)ohne FörderungSingleFamilie, 2 Kinder
3 %67.068 €87.189 €109.545 €
5 %89.699 €116.608 €146.508 €
7 %122.220 €158.885 €199.625 €

Der interessanteste Vergleich steht in den Spalten nebeneinander. Bei der mittleren Annahme von 5 Prozent bringen die Zulagen dem Single 26.910 Euro mehr Endkapital, der Familie 56.809 Euro mehr — bei exakt demselben eigenen Aufwand von 45.000 Euro über 25 Jahre. Das ist der Kern des Angebots: Du zahlst dasselbe und bekommst mehr.

Daraus wird im mittleren Szenario über einen Auszahlungsplan von 67 bis 85 eine monatliche Zahlung von rund 699 Euro brutto beim Single und 879 Euro brutto bei der Familie.

Der unterschätzte Vorteil: steuerfreies Wachstum

Kurz gesagt: In der Ansparphase werden die Erträge nicht laufend besteuert. Dein Kapital arbeitet ungeschmälert weiter — jahrzehntelang.

In einem normalen Depot greift der Fiskus jedes Jahr zu. In einem geförderten Altersvorsorgevertrag nicht: Die Gesetzesbegründung spricht ausdrücklich von der „Steuerfreiheit, die für die in der Ansparphase eines Altersvorsorgevertrags erzielten Erträge gilt".³ Besteuert wird erst, was später ausgezahlt wird.²

Über 25 Jahre ist dieser Zinseszinseffekt auf unversteuerte Erträge ein eigenständiger Vorteil, der in Renditevergleichen fast nie auftaucht. Und weil der persönliche Steuersatz im Ruhestand bei den meisten niedriger liegt als im Erwerbsleben, verschiebt die nachgelagerte Besteuerung die Steuerlast typischerweise in eine günstigere Phase.

Du entscheidest, wie ausgezahlt wird

Kurz gesagt: Das Gesetz lässt dir zwei Wege — und beide haben ihre Berechtigung. Die Wahl triffst du erst kurz vor Rentenbeginn, nicht heute.

Möglich sind:¹

  1. Die lebenslange Leibrente — vollständig oder zu 80 Prozent, mit variablem Rest. Sie zahlt, solange du lebst, bleibt gleich oder steigt, und lässt sich mit einer Rentengarantiezeit von zehn oder zwanzig Jahren für die Hinterbliebenen absichern.
  2. Der Auszahlungsplan, der frühestens mit Vollendung des 85. Lebensjahres endet. Er liefert in der Regel höhere Monatsbeträge, weil das Kapital auf einen festen Zeitraum verteilt wird. Die Rate wird zu Beginn und danach mindestens alle drei Jahre neu festgelegt — mindestens 80 Prozent des verbleibenden Kapitals geteilt durch die Restmonate. Sie passt sich also der Wertentwicklung an.

Eine kleine Entscheidungshilfe aus der amtlichen Sterbetafel: Eine 65-jährige Frau hat statistisch noch 21,1 Jahre vor sich, ein Mann 18,0 Jahre.⁵ Wer eine hohe Lebenserwartung erwartet, fährt mit der Leibrente ruhiger; wer planbare, höhere Beträge in den aktiven Ruhestandsjahren möchte, wählt den Auszahlungsplan. Gut ist: Du musst dich heute nicht festlegen.

So machst du aus einer Musterrechnung deinen Plan

Kurz gesagt: Musterrechnungen zeigen das Potenzial. Übertrage sie auf dich, indem du die Sparrate an deinem Netto ausrichtest und das Ergebnis in heutiger Kaufkraft liest.

Die derzeit kursierende Rechnung stammt von der Fachredaktion DAS INVESTMENT, gerechnet mit einem Vermögensverwalter: eine 42-jährige Gutverdienerin mit 120.000 Euro Bruttojahreseinkommen spart rund 170 Euro im Monat — etwa 3 Prozent ihres Nettos — und kommt auf rund 730 Euro Extra-Rente. Die Annahmen sind offengelegt: 6 Prozent Rendite in der Ansparphase, 3 Prozent in der Auszahlphase, 0,6 Prozent Kosten, 42 Prozent Steuersatz im Erwerbsleben, 32 Prozent im Alter, Auszahlplan bis 85 und ausdrücklich ohne Inflationsberücksichtigung.

Das ist sauber gearbeitet, und die Größenordnung deckt sich mit unserer eigenen Rechnung. Zwei Dinge lohnt es, beim Übertragen mitzudenken:

Erstens die Einordnung des Musterfalls. 120.000 Euro brutto sind viel: Der mittlere Bruttojahresverdienst lag 2025 bei 54.066 Euro, die obersten 10 Prozent der Vollzeitbeschäftigten begannen bei 100.719 Euro.⁴ Die gute Nachricht ist, dass die Förderquote von 30 Prozent für alle gleich gilt — und mit Kindern sogar steigt. Die Zulage ist gerade für kleinere und mittlere Einkommen der stärkere Hebel, weil sie relativ mehr Gewicht hat.

Zweitens die Kaufkraft. Bei den 2 Prozent, die die EZB mittelfristig anstrebt⁶, entsprechen 476 Euro netto in 25 Jahren rund 290 Euro heutiger Kaufkraft. Das spricht nicht gegen das Depot — dieselbe Rechnung gilt für jede Form des Sparens. Es ist schlicht das Argument dafür, die Sparrate von Anfang an ambitioniert anzusetzen und sie mit dem Gehalt mitwachsen zu lassen. Wer die 1.800 Euro voll ausschöpft, holt zugleich die maximale Zulage ab.

Hinweis: Dieser Beitrag ist allgemeine Information und ersetzt keine individuelle Steuer- oder Anlageberatung. Alle Renditewerte sind ausdrücklich Annahmen, keine Zusagen.

Das Wichtigste in Kürze

  • 30 Prozent Förderquote auf den Eigenbeitrag stehen fest: 540 Euro Zulage auf 1.800 Euro — unabhängig vom Kapitalmarkt.
  • Familien profitieren besonders: mit zwei Kindern 1.140 Euro Zulage im Jahr, also 63 Prozent. Aus 150 Euro eigenem Geld werden 245 Euro im Depot.
  • Die Zulage allein bringt im mittleren Szenario 26.910 Euro (Single) bzw. 56.809 Euro (Familie) mehr Endkapital bei gleichem eigenem Aufwand.
  • Nur 120 Euro Mindesteigenbeitrag ab 2027 — die alten einkommensabhängigen Zulagekürzungen sind Geschichte.
  • Steuerfreies Wachstum in der Ansparphase, Besteuerung erst bei Auszahlung und meist zu einem niedrigeren Satz.
  • Zwei Auszahlungswege zur Wahl: lebenslange Leibrente für Sicherheit, Auszahlungsplan für höhere Monatsbeträge.
  • In heutiger Kaufkraft rechnen und die Sparrate mitwachsen lassen — dann trägt der Plan.

Fazit

Das Altersvorsorgedepot verdient die Aufmerksamkeit, die es gerade bekommt. Eine gesetzlich zugesagte Förderquote von 30 Prozent, für Familien über 60 Prozent, ein Kostendeckel von 1,0 Prozent, steuerfreies Wachstum in der Ansparphase und endlich die Freiheit, breit am Kapitalmarkt anzulegen — diese Kombination gab es in der geförderten Altersvorsorge so noch nie. Die Musterrechnungen, die kursieren, sind keine Werbeversprechen, sondern zeigen ein realistisches Potenzial, wenn man die Annahmen mitliest. Entscheidend ist am Ende nur eines: früh anfangen und die Zulage voll ausschöpfen, denn die Förderung verfällt Jahr für Jahr ungenutzt. Was das mit deinem Einkommen, deiner Familiensituation und deinen übrigen Bausteinen ergibt, rechnen wir im kostenlosen Bedarfscheck durch. Wie das Depot grundsätzlich funktioniert, steht im Überblick zum Riester-Nachfolger; der Vergleich mit anderen Wegen im Beitrag ETF-Depot oder private Rente.

Häufige Fragen

Wie viel Förderung gibt es beim Altersvorsorgedepot?

Wer 1.800 Euro im Jahr selbst einzahlt, bekommt 540 Euro Grundzulage — 50 Prozent auf die ersten 360 Euro und 25 Prozent auf den Rest.¹ Das sind 30 Prozent Förderquote. Pro Kind kommen bis zu 300 Euro dazu; eine Familie mit zwei Kindern erreicht 1.140 Euro Zulage im Jahr, also 63 Prozent.

Wie viel Extra-Rente ist realistisch?

In unserer Beispielrechnung mit 150 Euro Eigenbeitrag über 25 Jahre liegt das Endkapital je nach Renditeannahme zwischen 87.000 und 159.000 Euro, bei einer Familie mit zwei Kindern zwischen 110.000 und 200.000 Euro. Im mittleren Szenario ergibt das rund 700 beziehungsweise 880 Euro brutto im Monat.

Was ist der Mindestbeitrag für die volle Zulage?

Ab dem Beitragsjahr 2027 genügt ein Mindesteigenbeitrag von 120 Euro im Jahr, damit Grund- und Kinderzulage gewährt werden; die frühere einkommensabhängige Berechnung entfällt.¹ Für die volle Grundzulage von 540 Euro sind 1.800 Euro Eigenbeitrag nötig.

Werden die Erträge während der Ansparphase besteuert?

Nein. Die Gesetzesbegründung spricht ausdrücklich von der Steuerfreiheit der in der Ansparphase erzielten Erträge.³ Besteuert wird erst die Auszahlung.² Das Kapital wächst bis dahin ungeschmälert weiter.

Lebenslange Rente oder Auszahlungsplan — was ist besser?

Das ist eine bewusste Wahl, die du erst kurz vor Rentenbeginn triffst. Die Leibrente zahlt lebenslang und sichert das Langlebigkeitsrisiko ab. Der Auszahlungsplan endet frühestens mit Vollendung des 85. Lebensjahres und liefert meist höhere Monatsbeträge.¹

Häufige Fragen

Wie viel Förderung gibt es beim Altersvorsorgedepot?+

Wer 1.800 Euro im Jahr selbst einzahlt, bekommt 540 Euro Grundzulage — 50 Prozent auf die ersten 360 Euro und 25 Prozent auf den Rest. Das sind 30 Prozent Förderquote auf den eigenen Beitrag. Pro Kind kommen bis zu 300 Euro dazu. Eine Familie mit zwei Kindern erreicht damit 1.140 Euro Zulage im Jahr, also 63 Prozent.

Wie viel Extra-Rente ist realistisch?+

In unserer Beispielrechnung mit 150 Euro Eigenbeitrag über 25 Jahre liegt das Endkapital je nach Renditeannahme zwischen 87.000 und 159.000 Euro, bei einer Familie mit zwei Kindern zwischen 110.000 und 200.000 Euro. Daraus ergibt sich im mittleren Szenario eine monatliche Auszahlung von rund 700 beziehungsweise 880 Euro brutto.

Was ist der Mindestbeitrag für die volle Zulage?+

Ab dem Beitragsjahr 2027 genügt ein Mindesteigenbeitrag von 120 Euro im Jahr, damit Grund- und Kinderzulage überhaupt gewährt werden. Die frühere einkommensabhängige Berechnung des Mindesteigenbeitrags und die damit verbundenen Zulagekürzungen entfallen. Für die volle Grundzulage von 540 Euro sind 1.800 Euro Eigenbeitrag nötig.

Werden die Erträge während der Ansparphase besteuert?+

Nein. Erträge in einem geförderten Altersvorsorgevertrag werden in der Ansparphase nicht laufend besteuert; die Besteuerung erfolgt erst bei Auszahlung. Das Kapital wächst bis dahin ungeschmälert weiter — ein Vorteil, den ein normales Depot mit jährlicher Abgeltungsteuer nicht hat.

Lebenslange Rente oder Auszahlungsplan — was ist besser?+

Das ist eine bewusste Wahl. Die lebenslange Leibrente zahlt, solange du lebst, und sichert damit das Langlebigkeitsrisiko ab. Der Auszahlungsplan endet frühestens mit Vollendung des 85. Lebensjahres und liefert in der Regel höhere Monatsbeträge, dafür nicht unbegrenzt. Wer lange Lebenserwartung in der Familie hat, fährt mit der Leibrente oft ruhiger.

Quellen

  1. Bundesgesetzblatt (2026-05): Gesetz zur Reform der steuerlich geförderten privaten Altersvorsorge (Altersvorsorgereformgesetz), BGBl. 2026 I Nr. 156 · abgerufen am 2026-09-17
  2. Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de) (2026): § 22 Einkommensteuergesetz — Arten der sonstigen Einkünfte · abgerufen am 2026-09-17
  3. Deutscher Bundestag (2026-02): Entwurf eines Gesetzes zur Reform der steuerlich geförderten privaten Altersvorsorge, Drucksache 21/4088 (Begründung) · abgerufen am 2026-09-17
  4. Statistisches Bundesamt (Destatis) (2026-04): Mittlerer Bruttojahresverdienst lag 2025 bei 54 066 Euro · abgerufen am 2026-09-17
  5. Statistisches Bundesamt (Destatis) (2026): Sterbetafel 2023/2025 — Entwicklung der Lebenserwartung in Deutschland · abgerufen am 2026-09-17
  6. Europäische Zentralbank (EZB) (2025-06): Erklärung zur geldpolitischen Strategie der EZB (2025) · abgerufen am 2026-09-17
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